CARPET WAVES

Carpet Waves ist eine vierköpfige Band aus Düsseldorf, Wuppertal und Köln und hat sich dem Fluch verschrieben, „bewusst am Zeitgeist vorbei“ ihre eigene Rock-Spielart weiterzuentwickeln. Benny, Kai, Javi und Tim ziehen musikalische Register der späten 80er, 90er und frühen 2000er Jahre und erschaffen so ihre introvertierte Klangwelt zwischen Post-Punk, Alternative, Dream Pop und Indie. Als Gewinner der Düsseldorfer Bandprofessionalisierung, in der die Band eine hochkarätige Jury überzeugen konnte, wurden in den letzten Monaten einige Wünsche erfüllt: Düstere Live-Session, neue EP sowie zugehörige Musikvideos präsentieren die Band auf ihrem neuen Schaffensniveau. 

 

Die letzte EP „Darkness and Bright Thoughts” wurde durch Crowdfunding finanziert und ermöglichte der Band erstmals Airplay bei 1LIVE, WDR2 und szenigen Playlists und Blogs. Die Songs, begleitet von dem Musikvideo zur Leadsingle „Bright Side of the Dawn“, zeigten die Band experimentierfreudig mit einem garagigen Stil zwischen Indie-Rock und Post-Punk. Es folgten einige Headliner-Shows im Raum Düsseldorf sowie ein Support-Slot bei der Dark Wave Band She Past Away und einer Main Stage Show dem NCN Festival in Leipzig. Mit der neuen EP „Inner Weapons“ gestaltet die Band ihren Sound noch einmal deutlich ausgereifter und erwachsener, wobei an die Szenen im Post-Punk & Wave angeknüpft wird, ohne die Wurzeln im Alternative & Indie zu verlieren. 

INNER 
WEAPONS

Carpet Waves beschreiben auf ihrer neuen EP „Inner Weapons“ das Gefühl von Zerrissenheit, Konflikten mit der Außen- und Selbstwelt, sowie dem Willen irgendwann alles herauszuschreien, um endlich einen Platz in Zeit und Raum zu finden: „All Your Numbers Are Chromatic“. In kleinen Schritten geht der erste Song Biography allerdings nicht voran: Pocket Drums und post-punkige Gitarrenfiguren läuten die 5-Songs umfassende EP ein, ehe Sänger Benny mit stoischen Vocals die Frustration auf Außenwelt und Mitmenschen besingt. Im Refrain folgt der Bruch und der Stoizismus weicht Dissonanz und Ausbruch: Die anderen, alle die uns so weit vorausscheinen, sie sind es eigentlich nicht. Auch das Musikvideo bricht hier mit gewohnten Verhältnissen: Bildnisse von Idolen und Promis werden in Ekstase erst gehuldigt bis sie im Verlaufe des Songs in einem Akt der Ekstase und Katharsis zerstört, bespuckt und zerschmettert werden – bis wir uns wieder selber erkennen. Sobald die letzte Wut verflogen ist nehmen die dreamigen Gitarren uns mit in die kleine Kammer der Innenwelt: In der Narrow Dream Factory flirren die Sounds um die Köpfe der Zuhörerschaft, lullen diese ein, nur um am Ende wieder aus dem Sog gerissen und mit voller Wucht nach draußen geschmettert zu werden – weil es zum (Über?)-Leben nun mal sein muss. Doch auch wenn die Außenwelt ruft, bleiben die guten und schlechten Träume erhalten. Wiederkehr, Rekursion: Was ist passiert? Was war Rausch und was war Traum, wer ist überhaupt was und was ist die Essenz? Diese Fragen stellt Shadows in ausgefeiltem Robert Smith trifft Chameleons und 90er-Sonic Youth Gewand. Nach instrumentalem Chaos und verzerrter Vollendung folgt die Einkehr: Aura ist der erste Song, den die Band nach 6-monatiger Lockdown-Pause im Proberaum geschrieben hat – laut Erinnerung in weniger als einer Stunde, der Text folgte am nächsten Tag. Sonic Youth wird von Slowdive und Ride abgelöst, Flächen breiten sich aus, erfüllen unsere Träume: „If dreams were my weapon tonight“. Zum Ende der fünf Songs nehmen wieder die düsteren 80er-Jahre Überhand über die Kälte, die sich über weitläufigen Instrumentals ausbreitet. Das Leere, die Void Wilderness, sie wird durchbrochen von stakkato Drums- und Gitarren, Unstetigkeit und Schmerz werden besungen, aber auch bespielt. Bis die Wiederholung, das immer Gleiche, Einzug hält und die Instrumente im Kopf verschwimmen, immer weiter treiben, sich aufbäumen und am Ende, als gäbe es keine andere Möglichkeit mehr, sich zurückziehen, aber niemals ganz verschwinden.